atemwegserkrankungen bei rindern


Kälbergrippe

Die Kälbergrippe, auch Rindergrippe oder enzootische Bronchopneumonie genannt, tritt gehäuft bei nasskaltem Wetter oder bei plötzlichen Wetteränderungen auf („saisonale Form“), aber auch bei 2 bis 4 Wochen alten Kälbern nach Vermarktung und Transport („crowding-assoziierte Form“).

Die Erkrankung hat großen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der Kälberaufzucht und die spätere Leistungsfähigkeit der erwachsenen Tiere. Masttiere mit subakuten oder chronischen Lungenschäden zeigen deutlich verringerte Tageszunahmen. Bei weiblichen Tieren sind ein höheres Erstkalbealter, höhere Abgangsraten und eine niedrigere Milchleistung die langfristige Folge.

Die Atemwegserkrankungen der Kälber bewirken eine Verminderung der Gewichtszunahmen in der Aufzuchtphase um bis zu 200g pro Tier und Tag - über die Mastphase bedeutet das Minderzunahnmen von 100kg pro Tier.

Ökonomische Bedeutung

Atemwegserkrankungen gehören zu den wichtigsten Krankheitskomplexen in der Rindermedizin und können sehr verlustreich verlaufen. Sie spielen in vielen Betrieben besonders bei Jungrindern eine große Rolle, dabei schwankt der Anteil erkrankter Tiere betriebsindividuell und jahreszeitenabhängig sehr stark.


Folgen von Atemwegserkrankungen

  • Verringerte Gewichtszunahme
  • Verlängerte Mastdauer
  • Hohe Behandlungskosten
  • Tod als Folge der Behandlung
  • Fruchtbarkeitsstörungen

Anatomie und Physiologie der Atemwege

Der Atmungsapparat gehört zu den am meisten gefährdeten Organsystemen des Körpers. Über jeden Atemzug besteht ein direkter Kontakt zwischen der Außenwelt und dem Körpergewebe, einschließlich dem Blut.

Um eine ungehinderte Luftzufuhr zu gewährleisten, ist ein wirksames Abwehr und Gasaustauschsystem erforderlich.

Bild vergrößern

Der Lungenaufbau

Die Atemluft gelangt über die oberen Atemwege (Nase, Maul, Rachen, Kehlkopf) in die unteren Atemwege (Luftröhre und Lunge) und schließlich in den stark verzweigten Bronchialbaum der Lunge.

Die Luftröhre (Trachea) teilt sich in zwei Hauptbronchien, die sich weiter verzweigen. Die kleineren Verästelungen werden Bronchiolen genannt und enden in den Alveolen (Lungenbläschen).

 Der Gasaustausch in der Lunge

Die Epithelzellen der oberen Atemwege tragen unzählige, feine Haare (Zilien).
Dieses sogenannte Flimmerepithel sorgt dafür, dass dünnflüssiger Bronchialschleim
aus der Lunge in Richtung obere Atemwege transportiert wird. Mit
diesem Schleim werden Krankheitserreger und Staubpartikel effektiv aus der
Lunge herausbefördert. Der Bronchialschleim wird von den Becherzellen produziert
und in die Bronchiolen abgegeben. Die Becherzellen sind Bestandteil der
Bronchialschleimhaut, die die Atemwege auskleidet.

Die schematische Darstellung zeigt einen Querschnitt durch ein Flimmerepithel mit schleimproduzierender Becherzelle, Schleim-transportierenden Zilien und einer dünnen Schicht wässrigen Schleims.

ursachen von atemwegserkrankungen

Die Entstehung der Kälbergrippe

Atemwegserkrankungen treten überwiegend bestandsweise bzw. gruppenweise gehäuft auf. Die Ursachen sind multifaktoriell, das heißt, nicht nur ein Faktor (z. B. ein Krankheitserreger), sondern eine Vielzahl von Faktoren löst die Krankheit aus.

Umwelt

  • Stallklima und Belegungsdichte
  • Infektionsdruck
  • Zugluft, Luftbewegung, Luftaustauschrate
  • Reinigung und Desinfektion

Fütterung

  • Nährstoffe
  • Vitamine
  • Mengenelemente
  • Spurenelemente
  • Wasser

Tier

  • Herkunft/ Transport 
  • Alter 
  • Spezifische Immunität/ Kolostrumversorgung 
  • Konstitution 
  • Rasse

Erreger

  • Viren
  • Bakterien
  • Parasiten
  • Mykloplasmen

Atemwegserkrankungen sind Faktorenerkrankungen

Unter den Umwelteinflüssen ist das Stallklima von größter Bedeutung!
Es wird von folgenden Parametern beeinflusst: 

  • Luftfeuchtigkeit 
  • Luftgeschwindigkeit 
  • Schadgaskonzentration (Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid) 
  • Lufttemperatur 
  • Belegungsdichte 
  • Staubbelastung 
  • Bauhülle 
  • Fußbodengestaltung 
  • Entmistungsintervalle 
  • Einstreu

Besonders problematische Faktoren für die Atemwegsgesundheit sind hohe Schadgaskonzentrationen, Zugluft und eine hohe Luftgeschwindigkeit. Auch hohe Staubkonzentrationen und zu hohe Luftfeuchtigkeit spielen eine bedeutende Rolle. Kleine Partikel („Feinstaub“) können in die tieferen Atemwege gelangen und dort zu Reizungen und Entzündungen führen.

die wichtigsten erreger im kälbergrippekomplex

Kälbergrippe

(Enzootische Bronchopneumonie (EBP), Rindergrippe, bovine respiratory disease, undifferentiated respiratory disease)

Verschiedene Erreger können das Krankheitsbild der Kälbergrippe auslösen, zum Teil aber auch zu eigenständigen Erkrankungen mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung führen.

Die wichtigsten Erreger im Komplex der Atemwegserkrankungen

Viren

  • Bovines Respiratorisches Synzytial-Virus (BRSV) kann auch allein (monokausal) spezifische Atemwegserkrankungen auslösen
  • Bovines Herpes-Virus 1 (BHV 1) (IBR/IPV) kann auch allein (monokausal) spezifische Atemwegserkrankungen auslösen
  • Parainfluenza 3-Virus (PI3)
  • REO-Virus
  • Rhino-Virus 1 und 2
  • Bovines Adeno-Virus (BAV)
  • Bovines Corona-Virus (BCV)
  • Bovines Virusdiarrhoe/ Mucosal Disease-Virus (BVD/MD)
      v.a. Immunsuppression

Bakterien

  • Mannheimia haemolytica
  • Pasteurella multocida
  • Histophillus somni
  • Mycoplasma (M.) bovis, M. dispar
  • Chlamydophila spp.
  • Trueperella pyogenes

Mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung können nachfolgende Stadien beobachtet werden:

Interstitielle Bronchopneumonie

Interstitium = Zwischengewebe

  • Entzündung der Nasenschleimhaut, Luftröhre und Bronchien 
  • Leicht verlaufende Erkrankung der Bronchien unter Absonderung von wässrigem Schleim 
  • Dauer: ca. 4 Tage – gute Heilungsaussichten bei optimalen Haltungsbedingungen und rechtzeitiger gezielter Behandlung

Katarrhalische Bronchopneumonie

Katarrhalisch = gesteigerte Absonderung wässrigen oder dünnflüssigen Sekrets

  • Die Entzündung setzt sich bis in die Alveolen fort. Der Schleim ist wässrig bis zähflüssig und   kann auch eitrig sein.
  • u. U. chronische Überblähung der Lunge, gestörte Herz-Kreislauf-Funktion
  • Dauer: ca. 7 Tage – Heilung ist möglich, erfordert aber eine intensive Therapie

Fibrinöse Pleuropneumonie

Fibrin = Blutfaserstoff, Faserprotein bei Blutgerinnung

  • Mit Fibrinbildung einhergehende Entzündung von Lungenläppchen oder ganzer Lungenlappen einschließlich Lungenfell
  • Diese Form ist häufig die Folge einer nicht adäquat behandelten katarrhalischen Bronchopneumonie.
  • Dauer und Heilung: meist keine Heilung, häufig Kümmerer oder tödlicher Ausgang

gute haltungsbedingungen = weniger Krankheiten

Kriterien optimaler Haltungsbedingungen für Kälber


Stallklima

  • Luftfeuchte: 60 - 80% 
  • Schadgaskonzentration: 
    • Ammoniak < 5 ppm (im Liegebereich) 
    • Schwefelwasserstoff < 5 ppm 
    • Kohlendioxid < 3000 ppm

Achten Sie auf:

  • Minimale Staubentwicklung 
  • Ausreichend Lufterneuerung 
  • Moderate Luftbewegung 
  • Nutzung von z.B. wetterabhängigen verstellbaren Windschutznetzen, Jalousien oder Spaceboardlüftung 
  • Belegungsdichte ≥ 3 m² pro Kalb

Fütterung

  • Ausreichende und sofortige Kolostrumaufnahme des Kalbes
  • Bedarfsgerechte Nährstoffversorgung (in den ersten Lebenswochen nur über Milch möglich)
  • Gute Futterqualität
  • Artgerechte Fütterungstechnik
  • Kein abrupter Futterwechsel

Die körpereigene Abwehr des Kalbes

Der Organismus des Tieres setzt der schädigenden Wirkung durch Erreger eine beachtliche Vielfalt von Abwehrmechanismen entgegen.

Kälber kommen zunächst schutzlos, das heißt ohne Antikörper auf die Welt. Den einzigen Schutz gegen die vielen Erreger aus der Umgebung bieten die maternalen (mütterlichen) Antikörper, die die Kälber mit dem Kolostrum (Biestmilch) erhalten. In den ersten 2 bis 4 Lebensstunden werden diese Immunglobuline aus dem Darm ins Blut aufgenommen, in der Folgezeit sinkt die Aufnahmefähigkeit rasch ab.

Die Kälber bauen ihre eigene Abwehr in den ersten Lebenswochen erst langsam auf, während gleichzeitig der Schutz, den sie über die Biestmilch erhalten hatten, abnimmt. In der Übergangsphase, um die 3. bis 6. Lebenswoche, sind sie besonders anfällig für Infektionen. In dieser Zeit spricht man von einer „immunologischen Lücke“, die umso größer ist, je schlechter die Versorgung mit Biestmilch war.

Infektionen und deren abwehr

Wird die unspezifische Abwehr geschwächt, zum Beispiel durch eine Virusinfektion oder ungünstige klimatische Einflüsse, können sich in der Folge Bakterien in der Lunge festsetzen und ihre Schadwirkung entfalten.

Im Allgemeinen übernehmen Viren eine Wegbereiterfunktion für sekundäre bakterielle Infektionen, durch die der weitere Verlauf der Erkrankung kompliziert und wesentlich bestimmt wird. Andererseits kommen auch rein bakterielle Infektionen vor. Beim gesunden Tier befördert das Flimmerepithel wie ein Fließband Fremdkörper (Staub, eingedrungene Keime) und Zellteile mit dem dünnflüssigen Schleim aus den Atemwegen heraus. Bei einer viralen Infektion werden die Flimmerhärchen quasi abrasiert, so dass diese Funktion nicht mehr erfüllt werden kann.

Die Reizung der Bronchialschleimhaut durch Viren, Bakterien oder unbelebte reizende Faktoren (Staub, Schadgase etc.) bewirkt zunächst eine verstärkte Sekretion von dünnflüssigem Bronchialschleim. Im Verlauf der Erkrankung wird das Sekret zunehmend zähflüssiger und bildet so einen idealen Nährboden für Bakterien. Die Reinigungsfunktion des Flimmerepithels wird durch den zähflüssigen Schleim stark eingeschränkt.
Körpereigene Abwehrstoffe verbleiben im zähen Bronchialschleim und können ihre Abwehrfunktion nicht mehr ausüben.

Die physikalische Reinigung

  • Husten
  • Abhusten von Schleim
  • Abtransport der Erreger mit dem Schleim über die Flimmerhärchen
  • Abtransport über Lymph- bzw. Blutgefäßsystem

Das körpereigene Immunsystem (Erregerabtötung)

  • Makrophagen (Fresszellen)
  • Erreger lagern sich an, werden aufgenommen, abgetötet und verdaut
  • Verhinderung der Anhaftung der Erreger an den Epithelzellen der luftleitenden Wege
  • Wachstumshemmung von Bakterien (Bakteriostase)
  • Absterben und Auflösen von Bakterien (Bakteriolyse)

diagnostik bei Atemwegserkrankungen

Für eine Diagnosestellung muss eine Vielzahl von Informationen zusammenfließen:

  • Vorbericht 
  • klinische Befunde 
  • Ergebnisse labordiagnostischer Untersuchungen 
  • Erfolg evtl. eingeleiteter Therapiemaßnahmen

Für die Diagnostik ist unbedingt ein Tierarzt hinzuzuziehen, denn:

Dreckige Probe bei einer Leitkeimbestimmung

Eine exakte Diagnose ist die Grundlage für eine wirksame Therapie!

Klinische Diagnose
Körpertemperatur, sichtbare Symptome (Husten, Nasenausfluss, "Pumpen"), Lungengeräusche

Labordiagnostik
Bei Bestandserkrankungen ist es stets sinnvoll, Proben für die Erregerdiagnostik zu entnehmen und an eine Untersuchungseinrichtung zu schicken.

Die Anzeichen einer beginnenden Atemwegserkrankung sind in der Regel mild und werden leicht übersehen. Fallen die Tiere durch deutlichen Husten und Fressunlust auf, sind die Veränderungen schon sehr weit fortgeschritten und eine wirkungsvolle Bekämpfung beim Einzeltier in der Regel nur noch schwer möglich. Deswegen sind eine gründliche Beobachtung der Tiere und ein rasches Erkennen von ersten Krankheitsanzeichen wichtig!

Äußere Anzeichen (klinische Symptome)

akut

  • wässriger Nasen- und Augenausfluss
  • mäßig erhöhte Atemfrequenz und Atmungsintensität
  • Fieber (> 40°C)

subakut

  • schleimig-eitriger Nasenausfluss
  • Husten
  • erhöhte Atemfrequenz
  • Fieber (> 40°C)

chronisch

  • Wechsel zwischen Fieber und leicht erhöhter Temperatur
  • verstärkte Atmung, evtl. Atemnot
  • Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit
  • Inappetenz

Bestands-
untersuchung

Bei bestandsweise gehäuften Erkrankungen ist eine weitergehende Abklärung auslösender oder fördernder Faktoren notwendig: 

  • Umwelt- und Bestandssituation
      (z.B. Zukauf, besondere Belastungen, Umstallungen, Impfungen) 
  • Haltungs-, Fütterungs- und stallklimatische Bedingungen für
    weitere Erkrankungen (Parasitosen, Durchfall u. a.) 
  • Vorbehandlungen 
  • Ergebnisse von Laboruntersuchungen 
  • Pathologisch-anatomische Veränderungen (Sektion)

Labordiagnostik

Virusnachweis

Viren sind häufig nur im Anfangsstadium der Erkrankung nachweisbar. Dafür müssen Nasenzellabstriche mit einem langen Tupferentnahmesystem gewonnen werden. Die Erreger werden im Labor mittels PCR, Immunofluoreszenz oder in Zellkulturen nachgewiesen. Blutuntersuchungen (Serum) ermöglichen den Nachweis spezifischer Antikörper gegen ein Virus. Dazu sind im Abstand von 3 bis 4 Wochen Blutproben zu entnehmen, mit denen ein Anstieg des Antikörpertiters als Reaktion auf die Erkrankung nachgewiesen werden kann.

Bakteriologische Untersuchung

Mit Nasentupfern werden jedoch u. U. nur Erreger aus den oberen Atemwegen gefunden, die mit dem eigentlichen Krankheitsgeschehen in der Lunge nichts zu tun haben.

Prophylaxe

Vorbeugen ist besser als Heilen!

Vorbeuge-maßnahmen beim Zukauf von Tieren

  • Möglichst geringe Anzahl an Zulieferern Kontrolle der Tiere beim Zukauf (Einstallungsuntersuchung)
  • Qualität der angelieferten Tiere 
  • Gruppenweise Einstallung (Rein-Raus-Methode) und Quarantäne
  • Möglichst geringe Transportbelastung (geeignete Fahrzeuge, Wege, Witterung, Dauer)
  • Kein Gruppenwechsel
  • Regelmäßige tierärztliche Bestandsbetreuung
  • Alters- und leistungsgerechte Fütterung
  • Optimale Stall- und Umwelthygiene (Stallklima, Ungezieferbekämpfung)

PROPHYLAXE-MASSNAHME

Vorbeugemaßnahmen durch Immunprophylaxe
Gezielte Impfmaßnahmen ermöglichen eine wirksame Vorbeugung gegen viele Erkrankungen. Sie setzen die genaue Kenntnis des / der Erreger/s, die gezielte Auswahl des / der Impfstoffe/s sowie deren exakte Anwendung voraus.

Metaphylaxe
Eine Metaphylaxe mit Antibiotika ist nur dann gerechtfertigt, wenn ein Krankheitsausbruch zu erwarten ist und durch eine exakte Diagnose belegt ist, dass das eingesetzte Antibiotikum gegen die Erreger bei den betroffenen Tieren wirksam ist.

Therapie

Grundsätze und Möglichkeiten

Das Rind neigt im Laufe einer Erkrankung zu überschießenden Entzündungsreaktionen. Diese müssen im Rahmen einer Behandlung gestoppt werden. Die Behandlung der Enzootischen Bronchopneumonie umfasst folgende Arzneimittel:

Antibiotika

  • zur Bekämpfung bakterieller Infektionen

Entzündungshemmer

  • zur Hemmung der Entzündung und Senkung des Fiebers Bisolvon® (Schleimlöser/Bronchosekretolytika)
  • zur Verflüssigung zähen Bronchialschleims

Je früher und qualifizierter die Behandlung, desto besser der Erfolg!

Grundsätze der Therapie

Unabhängig von der Art der Therapie gelten Grundsätze, die in jedem Fall eingehalten werden sollten:
➜ rechtzeitig behandeln
➜ Medikamente richtig dosieren
➜ ausreichend lange behandeln
Bei akuter Atemnot sofort den Tierarzt holen!
➜ Je nach Zustand des erkrankten Tieres sind zusätzliche symptomatische Therapien        angezeigt.
➜ Bei akuter Atemnot kann der Tierarzt ggf. ein Kortikosteroid einsetzen.

DIE KOMBINATIONS-THERAPIE

Antibiotische Therapie

Bekämpfung der Erreger

Frontansicht eines Kalbes auf der Wiese

Die Kälbergrippe wird meistens durch Primärerreger, wie Viren und Mykoplasmen ausgelöst. Sie sind die Wegbereiter für bakterielle Infektionen (Sekundärinfektionen), indem sie die Lungenschleimhaut und die Zilien (Flimmerhärchen) zerstören. Viren können nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Um jedoch so rasch wie möglich den Sekundärinfektionen (Bakterien, Mykoplasmen) entgegen zu wirken, muss sofort mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden. 

Die Auswahl und die Entscheidung zur Anwendung von Antibiotika erfolgen durch den behandelnden Tierarzt nach fachgerechter Diagnose unter Berücksichtigung der Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln. Die Therapie muss sicherstellen, dass über mehrere Tage hohe Konzentrationen von wirksamen Wirkstoffen in der Lunge aufrecht erhalten werden. Das Behandlungsschema und die Wirksamkeit der eingesetzten Behandlung muss der Tierarzt vorgeben und beurteilen. 

Entscheidende Eigenschaften eines Antibiotikums für die Behandlung der Kälbergrippe:


✔ schnelles Anfluten und Anreichern in der Lunge
✔ hoher und lang anhaltender Wirkstoffspiegel
✔ gute Wirksamkeit gegen die Erreger

Achtung: Die wirksame antibiotische Bekämpfung der Erreger muss auch nach dem Abklingen des Fiebers und der Atemwegssymptomatik noch über mindestens zwei Tage fortgeführt werden!

Antibiotika bekämpfen eine Infektion zwar sehr wirkungsvoll, wirken aber nicht spezifisch gegen die Entzündung und Schleimbildung. Hier sind Zusatztherapien erforderlich.

Antiinflammatorische Therapie

Bekämpfung der Entzündung

Infektiöse Erkrankungen gehen stets mit massiver Entzündung und Fieber einher. Einmal in die Lunge eingedrungene Erreger können sich bei fehlender Abwehrkraft des Tieres massenhaft vermehren. Dabei entstehen als Stoffwechselprodukt so genannte Bakterien-Toxine (Giftstoffe), die das Gewebe und den Organismus besonders stark schädigen. Diese Toxine werden auch aus den Zellwänden der Bakterien freigesetzt, wenn diese z. B. durch Antibiotika abgetötet werden oder absterben. Diese Gifte schädigen das Lungengewebe und verstärken die Entzündungsreaktion. Eine leichte Entzündung ist als Schutzmechanismus des Körpers nützlich. Eine übermäßige Entzündungsreaktion dagegen führt zu bleibenden Gewebeschäden und damit in der Folge zu einem Leistungsverlust.

Das Rind neigt besonders dazu, dass Entzündungsreaktionen außer Kontrolle geraten. Überschießende Entzündungsreaktionen sind ein wesentliches Problem bei der Kälbergrippe. Deshalb kommt der Entzündungshemmung eine zentrale Bedeutung bei der Behandlung der Erkrankung zu. Der rechtzeitige und wirksame Einsatz eines langwirkenden Entzündungshemmers ist ein wichtiger Teil des Therapieschemas!
Bei der Auswahl des Entzündungshemmers (NSAID) sollte auf dessen Wirksamkeit gegenüber der Entzündung und auf die Neutralisation der Endotoxinwirkung Wert gelegt werden. Ein weiterer positiver Effekt ist dann auch die nachhaltige Senkung des Fiebers.

Die Zusatztherapie mit einem lang wirksamen Entzündungshemmer (NSAID), unterstützt den Heilungserfolg und bringt eindeutige Vorteile:

✔ nachhaltige Entzündungshemmung, Neutralisation der Endotoxinwirkung

✔ schnellere Heilung, weniger Rückfälle 

✔ verbesserte Leistungsfähigkeit
= höhere Wirtschaftlichkeit therapeutischer Maßnahmen. Die Tiere fühlen sich schneller wieder wohl, fressen schneller wieder und bleiben leistungsfähig!

Merke!

Infektionen wie die Lungenentzündung gehen stets mit einer massiven Entzündung und Fieber einher. Beteiligte Erreger können Giftstoffe (Toxine) bilden, die frei werden und die Entzündungsreaktion noch verschlimmern!

die schleimlösende wirkung von bisolvon®

Sekretolytische Therapie mit Bisolvon® - nicht nur Bekämpfung des Schleims

Im Laufe einer Lungenentzündung wird der Bronchialschleim durch die entzündlichen
Reaktionen dick und zäh. So lässt er sich schlecht abhusten und
behindert die körpereigenen Abwehrkräfte und die Antibiotika bei ihrem
Kampf gegen die Erreger. Die sekretolytische (schleimlösende) Behandlung mit
Bisolvon® dient der Verflüssigung des zähen Schleims, erleichtert damit das
Abhusten, beschleunigt die Heilung und verringert das Rückfallrisiko.

Bisolvon® wirkt dreifach:

1. Erhöhung des Antibiotikaspiegels in der Lunge

2. Verflüssigung des zähen Bronchialschleims
3. Verbesserung der körpereigenen Abwehr der Lunge

Auch die schleimlösende Therapie sollte nach deutlich sichtbarer Besserung des Allgemeinbefindens noch mindestens über zwei weitere Tage fortgesetzt werden.

Bisolvon® - der Wegbereiter für das Antobiotikum in der Lunge

Eine erfolgreiche Therapie bei Atemwegserkrankungen setzt voraus, dass die Erreger durch das Antibiotikum angreifbar sind (Erregerspezifität) und dass das Antibiotikum die Erreger in der Lunge überhaupt erreicht (Lungenspezifität). Durch einen Resistenztest kann ermittelt werden, ob das Antibiotikum gegen die Erreger wirkt. Die Lungenspezifität vieler Antibiotika, d. h. die Fähigkeit, das Lungengewebe zu durchdringen und die Erreger zu erreichen, kann durch Bisolvon® positiv beeinflusst werden. Die Antibiotika gelangen durch Bisolvon® schneller und in größeren Mengen in das entzündete Lungengewebe. Eine höhere Antibiotikakonzentration in der Lunge bedeutet eine schnellere und nachhaltigere Wirkung.

Bisolvon® - erhöht den Antibiotikaspiegel in der Lunge

Die schleimlösende Wirkung von Bisolvon®

Bisolvon® verflüssigt den durch die Entzündungsprozesse zäh und dick gewordenen
Bronchialschleim. Das Flimmerepithel kann seine Arbeit wieder aufnehmen
und für einen effektiven Abtransport des Sekrets sorgen. Auch Erreger
werden so aus den Atemwegen herausbefördert, und die Heilung wird beschleunigt.
Die Gefahr eines Rückfalls durch festgesetzte Keime wird verringert. Im
dünnflüssigen Schleim sind die Erreger für das Antibiotikum leichter angreifbar.

Bisolvon® - löst den Schleim

Die Verbesserung der körpereigenen Abwehr durch Bisolvon®

Unter der Wirkung von Bisolvon® kommt es zu einem vermehrten Anfluten von Antikörpern im Bronchialsekret. Diese körpereigenen Antikörper sind antiviral und antibakteriell wirksam und sind so maßgeblich mit an der Infektabwehr beteiligt.


Bisolvon® - verbessert die körpereigene Abwehr in der Lunge

Der Nutzen für die Praxis

In der Praxis macht sich der Heilungsprozess vor allem durch die Normalisierung
der Körpertemperatur und des Fressverhaltens der Tiere bemerkbar. Die
kombinierte Therapie mit Antibiotikum, Entzündungshemmer und Bisolvon® hat
gegenüber der alleinigen Antibiotikatherapie einen deutlich positiven Einfluss
auf das Heilungsgeschehen, wie die folgenden Grafiken zeigen. Der zusätzliche
Einsatz des Schleimlösers Bisolvon® ergänzt die Behandlung mit Antibiotikum
und Entzündungshemmer wirkungsvoll, da die Mittel an unterschiedlichen Zielpunkten
im Körper ansetzen.

Merke!

Atemwegserkrankungen führen zu zähflüssigem Schleim in der Lunge. Erreger sind im zähflüssigen Schleim schwer angreifbar. Bisolvon® sorgt für flüssigen Schleim!

Tiergesundheitsprogramm bei Atemwegserkrankungen

Bild vergrößern

Eine kostenlose Broschüre zu den Atemwegserkrankungen bei Rindern können Sie hier bestellen..


Weiter zum Thema Kälberdurchfall
Schnell handeln und gesunde Kälber großziehen


Zurück zum Thema Euterentzündung

Zurück zum Thema Schwergeburt

Zurück zum Thema Enthornung