Therapie von atemwegserkrankungen

Grundsätze und Möglichkeiten

Das Rind neigt im Laufe einer Erkrankung zu überschießenden Entzündungsreaktionen. Diese müssen im Rahmen einer Behandlung gestoppt werden. Die Behandlung der Enzootischen Bronchopneumonie umfasst folgende Arzneimittel:

Antibiotika

  • zur Bekämpfung bakterieller Infektionen 

Entzündungshemmer

  • zur Hemmung der Entzündung und Senkung des Fiebers

Schleimlöser

  • Bisolvon® (Schleimlöser/Bronchosekretolytika) 
  • zur Verflüssigung zähen Bronchialschleims 

Je früher und qualifizierter die Behandlung, desto besser der Erfolg!


Grundsätze der Therapie

Unabhängig von der Art der Therapie gelten Grundsätze, die in jedem Fall eingehalten werden sollten:

➜ rechtzeitig behandeln
➜ Medikamente richtig dosieren
➜ ausreichend lange behandeln

Bei akuter Atemnot sofort den Tierarzt holen!
➜ Je nach Zustand des erkrankten Tieres sind zusätzliche symptomatische Therapien angezeigt.
➜ Bei akuter Atemnot kann der Tierarzt ggf. ein Kortikosteroid einsetzen.


DIE KOMBINATIONS-THERAPIE

Antibiotische Therapie

Bekämpfung der Erreger

Frontansicht eines Kalbes auf der Wiese

Die Kälbergrippe wird meistens durch Primärerreger, wie Viren und Mykoplasmen ausgelöst. Sie sind die Wegbereiter für bakterielle Infektionen (Sekundärinfektionen), indem sie die Lungenschleimhaut und die Zilien (Flimmerhärchen) zerstören. Viren können nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Um jedoch so rasch wie möglich den Sekundärinfektionen (Bakterien, Mykoplasmen) entgegen zu wirken, muss sofort mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden. 

Die Auswahl und die Entscheidung zur Anwendung von Antibiotika erfolgen durch den behandelnden Tierarzt nach fachgerechter Diagnose unter Berücksichtigung der Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln. Die Therapie muss sicherstellen, dass über mehrere Tage hohe Konzentrationen von wirksamen Wirkstoffen in der Lunge aufrecht erhalten werden. Das Behandlungsschema und die Wirksamkeit der eingesetzten Behandlung muss der Tierarzt vorgeben und beurteilen. 

Entscheidende Eigenschaften eines Antibiotikums für die Behandlung der Kälbergrippe:


✔ schnelles Anfluten und Anreichern in der Lunge
✔ hoher und lang anhaltender Wirkstoffspiegel
✔ gute Wirksamkeit gegen die Erreger

Achtung: Die wirksame antibiotische Bekämpfung der Erreger muss auch nach dem Abklingen des Fiebers und der Atemwegssymptomatik noch über mindestens zwei Tage fortgeführt werden!

Antibiotika bekämpfen eine Infektion zwar sehr wirkungsvoll, wirken aber nicht spezifisch gegen die Entzündung und Schleimbildung. Hier sind Zusatztherapien erforderlich.

Antiinflammatorische Therapie

Bekämpfung der Entzündung

Infektiöse Erkrankungen gehen stets mit massiver Entzündung und Fieber einher. Einmal in die Lunge eingedrungene Erreger können sich bei fehlender Abwehrkraft des Tieres massenhaft vermehren. Dabei entstehen als Stoffwechselprodukt so genannte Bakterien-Toxine (Giftstoffe), die das Gewebe und den Organismus besonders stark schädigen. Diese Toxine werden auch aus den Zellwänden der Bakterien freigesetzt, wenn diese z. B. durch Antibiotika abgetötet werden oder absterben. Diese Gifte schädigen das Lungengewebe und verstärken die Entzündungsreaktion. Eine leichte Entzündung ist als Schutzmechanismus des Körpers nützlich. Eine übermäßige Entzündungsreaktion dagegen führt zu bleibenden Gewebeschäden und damit in der Folge zu einem Leistungsverlust.

Das Rind neigt besonders dazu, dass Entzündungsreaktionen außer Kontrolle geraten. Überschießende Entzündungsreaktionen sind ein wesentliches Problem bei der Kälbergrippe. Deshalb kommt der Entzündungshemmung eine zentrale Bedeutung bei der Behandlung der Erkrankung zu. Der rechtzeitige und wirksame Einsatz eines langwirkenden Entzündungshemmers ist ein wichtiger Teil des Therapieschemas!
Bei der Auswahl des Entzündungshemmers (NSAID) sollte auf dessen Wirksamkeit gegenüber der Entzündung und auf die Neutralisation der Endotoxinwirkung Wert gelegt werden. Ein weiterer positiver Effekt ist dann auch die nachhaltige Senkung des Fiebers.

Die Zusatztherapie mit einem lang wirksamen Entzündungshemmer (NSAID), unterstützt den Heilungserfolg und bringt eindeutige Vorteile:

✔ nachhaltige Entzündungshemmung, Neutralisation der Endotoxinwirkung

✔ schnellere Heilung, weniger Rückfälle 

✔ verbesserte Leistungsfähigkeit
= höhere Wirtschaftlichkeit therapeutischer Maßnahmen. Die Tiere fühlen sich schneller wieder wohl, fressen schneller wieder und bleiben leistungsfähig!

Merke!

Infektionen wie die Lungenentzündung gehen stets mit einer massiven Entzündung und Fieber einher. Beteiligte Erreger können Giftstoffe (Toxine) bilden, die frei werden und die Entzündungsreaktion noch verschlimmern!


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